Die erste Junioren Weltmeisterschaft im Finn habe ich auf Platz 12 von 32 Teilnehmern beendet. Damit bin ich natürlich absolut nicht zufrieden, da ich mein Ziel Top 3 zu fahren um einiges verfehlt habe. Schon einige Tage vorher musste ich feststellen, dass es nicht leicht ist vor Hoorn zu segeln. Unkonstante Winde mit starken und schwer kalkulierbaren Winddrehern und Böen machten schon die Trainingsrennen recht trickreich. Zudem stellte mich mein Bootsspeed nicht immer zufrieden. Der erste Segeltag war mit Platz 7 und 16 rückblickend nicht mein schlechtester, aber definitiv auch kein guter Start in die Regatta. Im zweiten Rennen rundete ich als Dritter das Gate und blieb dann auf der rechten Kreuzseite stehen, während links 15 Leute mit frischem Wind und einem Linksdreher an mir vorbeifuhren. Ziemlich ärgerlich, aber kann passieren. Der zweite Tag war durch 0-5 Knoten Wind aus verschiedenen Richtungen geprägt. Es wurde nur ein Rennen gefahren und das fing für mich ziemlich gut an. Nach einem perfekten Start konnte ich sofort frei wenden und auf die bevorteilte rechte Seite fahren. Doch mein taktischer Plan wurde vom Wind durchkreuzt. Erst wurde dieser immer schwächer und drehte daraufhin ca. 40 Grad nach links und nahm zudem auf dieser Seite auch noch zu. Alle, die einen schlechten Start hatten und nach links fahren mussten, fanden sich in den Top 10 an der Luvtonne wieder. Auf dem Vorwind, der aufgrund des Winddrehers zum Halbwind wurde, habe ich dann noch einen Penalty bekommen. Wenn es schon schlecht läuft, kommt auch noch Pech dazu. Die Luvtonne wurde dann widerrechtlich, ohne Signal 40 Grad nach links verzogen, sodass alle, die auf der zweiten Kreuz rechts waren einen ziemlichen Nachteil erlitten und ca 10 Leute nicht im Zeitfenster von 20 Minuten ins Ziel kamen und als DNF gewertet wurden. Nach 10 Anträgen auf Wiedergutmachung aufgrund des Fehlers der Wettfahrtleitung befand die Jury dann, dass es am fairsten sei das Zeitfenster um 6 Minuten zu erweitern. Für mich ist diese Entscheidung komplett unverständlich, da der Nachteil derer, die noch das Zeitfenster erreicht hatten, nicht beachtet wurde.

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Am dritten Tag lief zumindest von Seiten der Wettfahrtleitung alles regulär ab. Mit den Plätzen 7, 4 und 10 bin ich ganz ok gesegelt. Der einzige große Fehler war eine Kenterung im dritten Rennen, wodurch ich von Platz 5 auf 10 zurückgefallen bin. Doch der Tag wurde natürlich noch schlechter. Ich wurde im zweiten Rennen disqualifiziert, da ich nach Meinung der Jury einem anderen Boot nicht genug Platz gelassen habe um ins Ziel zu fahren. Dazu muss man anmerken, dass wir auf Vorwindkurs ins Ziel gefahren sind und die Jury hat festgestellt, dass zwischen mir und dem anderen Boot 2 Meter Platz waren. Wenn das bei einer JWM nicht genug Platz ist, dann läuft irgendetwas falsch. Den genauen Vorgang habe ich schon beschrieben. Der vierte Tag lässt sich kurz zusammenfassen. Es hat geregnet, es waren 20 Knoten Wind mit Böen bis 28 ( nach Messungen des Coaches). Dazu gab es noch eine schöne Welle. Meiner Meinung nach, bis auf den Regen, perfekte Segelbedingung. Aber leider war die Wettfahrtleitung da anderer Meinung. Sie haben wohl 36 Knoten gemessen und nach einer örtlichen Regelung darf man bei mehr als 27 Knoten Wind nicht mehr segeln. Tag 5 war ebenfalls recht kurz. Es wurde ein Rennen gestartet, wobei die Wettfahrtleitung einen riesen Dreimaster durch den Kurs fahren ließ, dessen Windabdeckung alle Boote einmal passieren mussten. Als dann nach 20 Minuten die Hälfte des Feldes noch nicht die Startkreuz bewältigt hatte, wurde das Rennen abgebrochen. Dann folgten noch ein paar Stunden Startverschiebung an Land und ein „Captain’s Dinner“ am Abend. Der sechste und letzte Tag war dann so ähnlich wie Tag 5. Es wurde ein Rennen gestartet und dann wieder abgebrochen. Danach gab es noch Eis und anschließend wurde komplett abgebrochen.

Mein Fazit: Wenn nur an 3 von 6 Segeltagen Rennen zustande kommen, wobei ich den zweiten Tag eigentlich nicht dazu zählen will, dann sagt das glaube ich genug über die Regatta aus. Ich finde es ziemlich schade, dass eine für viele Segler so wichtige Regatta von der Wettfahrtleitung und der Jury so negativ beeinflusst wurde. In erster Linie bin natürlich ich an dem Ergebnis schuld. Aber die Wettfahrtleitung und die Jury hätten durchaus eine Menge besser machen können. Meiner Meinung nach wäre es ohne Probleme möglich gewesen 8-9 Rennen bei regulären Bedingungen zu segeln. Ich habe trotzdem sehr viel gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Jetzt weiß ich zumindest, dass die Jury durchaus meiner Meinung sein kann und trotzdem gegen mich entscheiden kann. Aber dabei will ich es auch belassen. Es war in meinen Augen eine Regatta, von der ich zwar kein gutes Ergebnis mitnehmen kann, aber dafür aus den Fehlern, die gemacht wurden sehr viel Erfahrung. Alles in allem war es doch eine sehr lehrreiche Regatta, schließlich hinterher ist man schließlich immer schlauer. Ich danke allen Sponsoren, Vereinen und Förderern für eure Unterstützung.

GER 259 , Phillip Kasüske

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